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Integrierte Versorgung – Gemeinsame Konzeption für Integrierte Versorgungsgemeinschaft Elbe-Jeetzel entwickelt und am 25.7.2002 vorgestellt

Foto von Otto Schiewe und Helmut Hildebrandt„Hier wird die Zukunft des Gesundheitswesens gemacht. Der Patient erhält hier wirklich die zentrale Stellung, die ihm auch zukommt". Hans-Dieter Koring, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der in Hamburg ansässigen Techniker Krankenkasse, mit 5,3 Millionen Versicherten die drittgrößte Ersatzkrankenkasse, zog mit diesen Worten sein Fazit aus einem intensiven Tag der Vorstellung und Diskussion des Konzeptes der Integrierten Versorgungsgemeinschaft Elbe-Jeetzel.

Nicht nur Koring war überzeugt von dem Projekt. Rund 80 Gäste waren aus dem ganzen Bundesgebiet kurzfristig nach Hitzacker gereist, um das vor wenigen Tagen vom Verband der Angestelltenkrankenkassen, der Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg und von Hildebrandt GesundheitsConsult GmbH gemeinsam fertiggestellte Konzept der „Integrierten Versorgungsgemeinschaft Elbe-Jeetzel“ (IVE) kennen zu lernen. Dr. Olaf Praetsch, Ärztlicher Direktor der Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg formulierte das Ziel: „Uns geht es um die dauerhafte Sicherung einer hochwertigen Gesundheitsversorgung mit einer optimalen Verknüpfung zwischen Niedergelassenen und Krankenhaus.“ Die Einrichtung der Integrierten Versorgung ist hierfür ein Garant, so der angesehene Chefarzt der Inneren Abteilung der Dannenberger Klinik.

Allgemeinarzt Dr. Dirk Eylerts signalisierte in seiner Funktion als KV-Leiter im Kreis grundsätzliche Zustimmung. „Die KV Niedersachsen und die niedergelassenen Ärzte sind bereit, aktiv mitzuwirken. Zahlreiche schwierige Schnittstellenprobleme sind im Lauf der letzten Monate angesprochen und geklärt worden.“Wenn sich jetzt einer der Kaufinteressenten für die Klinik dafür engagiere, rechne er damit, dass sich die überwiegende Mehrheit der niedergelassenen Ärzte im Kreis dem Modell anschließen werden.

Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer der Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg und der Hamburger Beratungsgesellschaft Hildebrandt GesundheitsConsult, beschrieb das Modell aus der Sicht der Patienten (vgl. Kasten)

Die Versicherten der VdAK-Krankenkassen, also zum Beispiel DAK, BEK, Techniker, HEK, KKH, GEK, Hamburg-Münchener, erhalten eine Information über die zusätzliche Wahloption der Einschreibung in die Integrierte Versorgungsgemeinschaft Elbe-Jeetzel: Am Kassenbeitrag ändert sich nichts, der Einstieg wie auch der Ausstieg ist jeweils zum Quartalsanfang möglich, dann würde einfach die„Standardversorgung“ wieder weiter erfolgen.

Die Patienten bestimmen mit der Einschreibung in die Integrierte Versorgungsgemeinschaft Ihren „Arzt ihres Vertrauens“, erhalten eine neue Krankenkassen-Chipkarte mit einer speziellen Kennnummer und erhalten einen Termin zu einer Gesundheitseingangsuntersuchung. Letztere dient zu einem vollständigen Gesundheits-Check-Up sowie zu einem ausführlichen Erörterungsgespräch zwischen Arzt und Patient über den aktuellen Gesundheitszustand und die Zielvorstellungen des Patienten bei etwaigen Einschränkungen und Gesundheitsproblemen.

Die Patienten haben darüber hinaus Zugriff auf ein spezielles mit Krankenschwestern und Ärzten ausgestattetes Telefon-Zentrum. Dort erhalten sie Antworten auf weitere Fragen, können sich Termine arrangieren lassen und werden noch speziell mit Informationen unterstützt

Ärzte, Krankenhaus, Sozialdienst und ambulante Pflege achten ganz besonders auf eine optimale Koordination untereinander. Dazu erarbeiten sie gemeinsam „Integrierte Behandlungsleitfäden“ für die wichtigsten Krankheitsgruppen mit dem Ziel, dass die Patienten mehr und intensiver zu Haus betreut werden können und im Schnitt weniger Tage im Krankenhaus verbringen müssen als bisher.

Außerdem erhält der Patient eine eigene elektronische Patientenakte, zu der er selber per Computer Zugang hat und zu der er anderen Zugang gewähren kann. Die „Ärzte des Vertrauens“, aber auch andere Therapeuten und Kliniken erhalten über den Patienten Zugang zu den für sie bestimmten Informationen der anderen Behandler (z.B. des Krankenhauses oder des Facharztes (unter voller Beachtung des Datenschutzes). Für die Ärzte hat dies den Vorteil, dass sie keine doppelten Untersuchungen machen müssen, ihre Befunde und Ergebnisse schneller austauschen können und der Patient hat mehr Sicherheit, dass sein Arzt auch die richtige Empfehlung aussprechen kann. Notarzt und Notfallambulanz erhalten einen Zugang zu definierten Notfallinformationen, so dass diese auch etwa bei einem Unfall sofort wissen, welche Blutgruppe der Patient hat, ob er Diabetiker ist, Gerinnungsmittel nimmt etc.

Foto der VeranstaltungThomas Ballast und Anouchka Jann vom Verband der Angestellten-Krankenkassen beschrieben die wirtschaftliche Funktionsweise des Modells. „Mit der Gesundheitsreform 2000 hat der Gesetzgeber Krankenhäusern, Ärzten und den Kassen die Möglichkeit eröffnet, eigenständige Integrierte Versorgungsgemeinschaften zu bilden“. Die Klinik erhält ein „kombiniertes Budget“ für Klinik, niedergelassene Ärzte und alle anderen Akteure, die über die Krankenkasse abrechnen. Partner ist der VdAK, der von den 52.000 Einwohnern des Kreises 19.000 versichert. Das Prinzip: Der VdAK stellt das für seine Versicherten in der Vergangenheit ausgegebene Geld plus einer möglichen Angleichung zur Verfügung. Für die eingeschriebenen Versicherten optimieren die Leistungserbringer die Versorgung. Wird diese durch die intensive Zusammenarbeit günstiger, fließt kein Euro an die Kassen zurück. Nutznießer wäre die örtliche Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg, die das kombinierte Budget virtuell verwaltet. Das bedeutet: Anders als zur Zeit profitiert die Klinik nicht von möglichst vielen, sondern von möglichst wenig erbrachten Leistungen. Dabei bringt es keine Vorteile, Patienten in andere Regionen oder Sektoren „abzuschieben“ – Fremdrechnungen gehen genauso zu Lasten des virtuellen Budgets wie die Abrechnungen der niedergelassenen Ärzte oder der anderen Kassen-Therapeuten. Anders ausgedrückt: Während die Klinik heute an kranken Versicherten verdient, ist sie künftig an möglichst gesunden Versicherten interessiert. Und daran, dass die Leistungen so effektiv und kostengünstig wie möglich erbracht werden. Für die niedergelassenen Ärzte bedeutet das: Sie rechnen weiterhin über die KV ihre Leistungen ab. Wer von ihnen das Modell unterstützt, kann bei den eingeschriebenen Patienten die Eingangsuntersuchung vornehmen.

Das Besondere an dem Modell für den Landkreis Lüchow-Dannenberg ist, dass hier erstmals in Deutschland ein Krankenhaus zum zentralen Organisator der Versorgung wird, betonte Susanne Renzewitz, Leiterin Politik der Deutschen Krankenhausgesellschaft (Berlin).

Initiator Helmut Hildebrandt hob hervor: „Der Patient bleibt immer der Entscheider, ob er oder sie in der Versorgungsgemeinschaft bleiben will und welche Ärzte oder Krankenhäuser er aufsuchen will.“ Die Versorgungsgemeinschaft garantiert, dass jeder Patient zum Ende jedes Quartals in die Standardversorgung zurückkehren kann“, so Hildebrandt. „Damit sind wir unter gutem und vorwärtstreibenden Druck, den eingeschriebenen Patienten eine möglichst gute Versorgung anbieten zu müssen.“

Thomas Ballast vom VdAK Bundesverband zeigte sich überzeugt. Mit dem Ersatzkassen-Verband hatte Hildebrandt Kontakt gesucht, nachdem langwierige Gespräche mit der AOK Niedersachsen beendet wurden. Der VdAK brauchte nur wenige Monate, um sich für das Projekt zu entscheiden. Startschuss für die IVE könnte der erste Januar 2003 sein - wenn auch das letzte Fragezeichen beseitigt ist. Das steht hinter dem künftigen Träger des Kreiskrankenhaus in Dannenberg. Die Klinik steht zum Verkauf, eine Reihe von Bietern haben Interesse geäußert und entwerfen zur Zeit ihre Angebote. Über den Zuschlag wollen die Kommunalpolitiker im Herbst entscheiden.

Otto Schiewe, Kreistagsabgeordeter für die SPD und Vorsitzender des Kreistags, betonte, dass viele seiner Kollegen die Bieter daran messen werden, ob sie die entwickelte Integrierte Versorgungskonzeption auch in ihre Angebote aufnehmen werden und in welcher Form sie die Umsetzung vorantreiben wollen.

Ganz besonderes Lob erfuhren die Partner der Integrierten Versorgungsmodells von der Seite der Patientenvertretern: „Ihnen ist fast die Quadratur des Kreises gelungen.“ Christoph Kranich neigt selten zu Übertreibungen. Lob für die Akteure im Medizinbetrieb kommt dem kritischen Gesundheitsexperten von der Verbraucherzentrale Hamburg höchst selten über die Lippen. Nachdem sich Kranich einen Tag lang über das Konzept der Integrierten Versorgung im Landkreis Lüchow-Dannenberg informiert hatte, war es so weit: Kranich zeigte sich angetan von dem in der Region entwickelten Konzept und bot Unterstützung und Kooperation seiner Institution an. Kai Christiansen, Leiter der Arbeiterwohlfahrt des Landkreises Lüchow-Dannenberg und Mitglied im Patientenbeirat der Integrierten Versorgungsgemeinschaft, lobte das Modell insbesondere für die besondere Betonung der Beteiligung der Patienten, die Förderung der Selbsthilfe und die Hervorhebung der Selbstbestimmung des Patienten. Durch die Beteiligung der Kirchenkreise, des Sozialverbandes, der Landfrauenvereine, des Roten Kreuzes bereits in der Entwicklung des Modells zeichne sich die Integrierte Versorgung vor allen anderen etablierten Formen positiv aus.

Dr. Norbert Messerschmidt, Chefarzt für die Chirurgie in der Elbe-Jeetzel-Klinik, resümierte denn auch für die Veranstalter: „Wir sind überzeugt davon, dass diese Versorgungsform den Patienten eine bessere Medizin zur Verfügung stellen kann, als die bisher in ambulant und stationär getrennte und von oben und am grünen Tisch organisierte Form. Sicherlich wird uns die bessere Zusammenarbeit von Praktikern und Klinikern noch so manchen Schweiß kosten, wer aber wirklich sich nicht die Krankheit sondern die Gesundheit der Patienten zum Ziel setzen will, der kommt um eine Integrierte Versorgung nicht herum.“

Einen besonderen Akzent setzte zum Schluss der Tagung der Moderator, Dr. Michael Kröher, Arzt und Journalist des Fachzeitschrift Manager-Magazin: Er stellte fest: „Um dieses Projekt ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg wirklich zu beneiden.“

Die Veranstalter, neben der Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg wurde die Veranstaltung noch unterstützt von dem Verband der Angestellten-Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, dem Ärzteverein Lüchow-Dannenberg, der Hildebrandt GesundheitsConsult GmbH und dem Landesapothekerverein Niedersachsen, zeigten sich sehr erfreut von dem großen Zustimmung zu dem Modell.

Mehr zur Klinik: www.elbe-jeetzel-klinik.de

STICHWORT: Integrierte Versorgung Die in § 140 SGB V festgelegten Regelungen zur Integrierten Versorgung sehen eine übergreifende Versorgung der Versicherten über verschiedene Leistungssektoren vor. Die Teilnahme der Versicherten ist freiwillig. Möglich ist nach Abschnitt c auch die Übernahme der Budgetverantwortung – wie im Modell durch der Elbe-Jeetzel-Klinik Dannenberg.

 
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