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Erfolgreicher Auftakt zur HGC-Fachtagung – Gesundheitsnutzen im Fokus

Über 150 Teilnehmer diskutieren über Qualität und Gesundheitsnutzen im Kollektiv- und Selektivertragssystem

Mit einer spannenden Diskussionsrunde hat heute in Hamburg die zweitägige Fachtagung der Hildebrandt GesundheitsConsult GmbH (HGC) mit über 150 Vertretern aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft begonnen. Titel der Veranstaltung anlässlich des 20jährigen Jubiläums der auf die Gesundheitswirtschaft spezialisierten Beratungsfirma ist „Mehr Gesundheitsnutzen – die Zukunft hat begonnen. Erfolgreiche Partnerschaften im Wettbewerb“. Schwerpunkt der Podiumsdiskussion war das Thema Gesundheitsnutzen und seine zunehmende Bedeutung in der Gesundheitsversorgung. Die Teilnehmer waren sich einig darin, dass die Qualität der Versorgung über wettbewerbliche Strukturen gesteigert werden müsse, und forderten wirksame Anreize für Krankenkassen, einen zusätzlichen Gesundheitsnutzen zu produzieren.

Für Prof. Gerd Glaeske, Universität Bremen, besteht der Gesundheitsnutzen vorrangig darin, die Krankheitsbelastung in der Bevölkerung zu verringern und die Lebenserwartung zu erhöhen. Er forderte: „Um solch einen Nutzen für Patienten erbringen zu können, muss das System entsprechend gestaltet werden.“ Die Einzelleistungsvergütung beispielsweise führe zu Überversorgung, die pauschale Vergütung dagegen zu Unterversorgung. Eine Lösung sind aus Glaeskes Sicht regionale populationsbezogene Versorgungssysteme, bei denen – im Gegensatz zu den amerikanischen Managed Care-Systemen – eine Risikoselektion ausgeschlossen ist. Als Beispiel nannte er das Gesunde Kinzigtal, ein Integriertes Vollversorgungsprojekt in Baden-Württemberg, das von HGC in der Umsetzung begleitet wurde.

Prof. Jürgen Wasem, Universität Duisburg/Essen, sieht ein zentrales Problem in der Qualitätsdiskussion darin, dass das Verhältnis von Kollektiv- und Selektivvertragssystem in Deutschland nicht geklärt ist. „Die grundlegende Frage ist: Was wollen wir im Wettbewerb regeln und was im Kollektivvertrag?“, betonte er. Um eine wirkliche Systemänderung zu erreichen und einen ausreichenden Innovationsimpuls für die gesamte Versorgung darzustellen, müssten die populationsbezogenen Verträge mindestens fünf Prozent der Versorgung ausmachen, fügte er hinzu.

Anreize für Krankenkassen, Gesundheitsnutzen zu produzieren

Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer von HGC, hält es für notwendig, Krankenkassen langfristig wirksame Anreize zu geben, einen Gesundheitsnutzen zu produzieren. „Momentan ist die Situation für die Krankenkassen schwierig. Wenn Sie jetzt in die Versorgung der Zukunft investieren, riskieren Sie einen Zusatzbeitrag für ihre Versicherten, der ihnen wiederum im Wettbewerb schadet. So werden langfristige Investitionen in eine gesündere Population verhindert. Dem stimmte Wasem zu: „Die Krankenkassen erleben sich im Preiswettbewerb und sehen sich nicht in der Lage, sowohl mit Preis als auch mit Qualität zu triggern.“ Der Risikostrukturausgleich dürfe eine erfolgreiche Sekundärprävention nicht abstrafen, betonte er.

Auch Prof. Jörg Saatkamp, Hochschule Rosenheim, kritisierte, dass es zurzeit sowohl ambulant als stationär wenige Anreize gebe, Qualität zu produzieren. „Wir müssen Strukturen schaffen, in denen die Krankenkassen sich in ihrem Wettbewerb mehr auf Qualität konzentrieren können“, betonte er. Zurzeit seien sowohl Krankenkassen als auch Kassenärztliche Vereinigungen und Verbände aufgrund ihres körperschaftlichen Status kaum selbststeuernd reformfähig.

Claudia Korf, Barmer Ersatzkasse, forderte ebenfalls mehr Möglichkeiten für die Kranken-kassen, in Versorgungsforschung investieren zu können. Sie hält eine Investmentpauschale im Rahmen des Morbi-RSA für sinnvoll, wie sie auch HGC im vergangenen Jahr in ihrem White Paper „Anreize für Forschung und Entwicklung (F&E) für Versorgungs‐ und Systeminnovationen im Gesundheitswesen“ vorgeschlagen hat.

Populationsbezogene Versorgung als Lernprojekt

Dr. Steffen Wahler, Geschäftsführer Gesundheitsökonomie im vfa, sieht das Gesunde Kinzigtal als ein Lernprojekt, aus dem generiert werden kann, was Nutzen oder Qualität ist. In solchen Systemen könne man jenseits von klinischen Studien auch die Wirksamkeit von Arzneimitteln untersuchen, erklärte er. „Allerdings müsste es sehr viel mehr solcher populationsbezogenen Systeme in Deutschland geben, um einen wirklichen Lernprozess zu ermöglichen“, fügte Wahler hinzu.

Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer hält Integrierte Versorgungsmodelle ebenfalls für zielführend und schlug vor, populationsbezogene Ansätze auf der Ebene eines Bundeslandes zu testen. Fischer hatte damals mit Unterstützung von HGC die Integrierte Versorgung eingeführt.

Ein ausführliches Programm, Grußworte u.a. von der Parlamentarischen Staatssekretärin Marion Caspers-Merk, einen Vortrag von HGC-Geschäftsführer Helmut Hildebrandt, Fotomaterial sowie Abstracts der Vorträge finden Sie hier.

 
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